NEUSS -- “Ist Europa bereit fr die „Millennials“?“ Dieser Frage geht eine von Xerox bei Forrester Consulting in Auftrag gegebene Studie nach, die heute in Deutschland verffentlicht wurde. Die Antwort ist „Nein“. Die Studie zeigt, dass die neue Generation von ArbeitnehmerInnen, die ab 1980 geboren und im digitalen Zeitalter aufgewachsen sind, nicht die geeigneten kollaborativen Tools (Anwendungen zur Untersttzung der Zusammenarbeit in einem Unternehmen) und die IT-Infrastruktur zur Verfgung gestellt bekommen, die sie fr ein effektives Arbeiten brauchen. Zwar hat die Mehrheit der deutschen Fhrungskrfte (94 Prozent) erkannt, dass junge MitarbeiterInnen anders mit Technologien umgehen als ltere Generationen. Dennoch haben nur wenige Unternehmen die aufstrebenden Peer-to-Peer-Kommunikationsnetzwerke implementiert, welche die Kunden- und Lieferantennetzwerke umwandeln knnen.

Die Studie zeigt auf, dass ein berraschend hoher Prozentsatz der deutschen Unternehmen ihren MitarbeiterInnen flexible Arbeitszeiten genehmigt (81 Prozent) und sie gelegentlich auerhalb der Brorumlichkeiten arbeiten lsst (74 Prozent). Dennoch stellen wenige Unternehmen ihren Millennials Hilfsmittel zur Verfgung, die fr Telearbeit bentigt werden, auer jenen Hilfsmitteln, die bei Konsumenten bereits etabliert sind. Mobiltelefone und Laptops sind die einzigen mobilen Technologien, die von vielen Unternehmen gestellt werden. Nur eine Minderheit stattet MitarbeiterInnen mit Hilfsmitteln wie PDAs (18 Prozent) und Gerten fr den mobilen E-Mail Verkehr (11 Prozent) aus.

Ein hnliches Bild zeigt sich bei Arbeitsweisen und Infrastruktur im Bro. Auf Browsern basierende Portale (67 Prozent) und unlimitiertes Ausdrucken (74 Prozent) sind Ressourcen, auf welche die meisten MitarbeiterInnen Zugriff haben. Immerhin gaben 21 Prozent der Befragten in Deutschland an, dass ihr Unternehmen MP3/4-Player zur Verfgung stellt. Hier liegt der europische Durchschnitt nur bei 5 Prozent. Jedoch haben nur 15 Prozent Zugang zu WebCasts (ein System, um Informationen von einer Person an viele Teilnehmer ber das Internet zu verteilen).

Lieferanten- und Kundenkommunikation nicht ausreichend untersttzt

In Bezug auf die Kunden-Kommunikation zeigt die Studie, dass zwar viele deutsche Unternehmen (61 Prozent) ber eine Grundausstattung wie eine Website verfgen, um ihren Kunden Untersttzung anzubieten. Die meisten planen im Rahmen ihrer Unternehmensfhrung aber nicht, andere Internetseiten zu beobachten oder sich an Diskussionsforen oder Blogs zu beteiligen. 49 Prozent der deutschen Unternehmen bitten auf ihrer Website automatisch um Kundenfeedback. 29 Prozent ermglichen es ihren Kunden, Produkte ber das Telefon oder die Firmen-Website zu kaufen und 28 Prozent gaben sogar an, ein Onlineportal fr die Bewertung und Diskussion von Produkten zu haben.

Jedoch bieten lediglich 14 Prozent der deutschen Unternehmen Mehrwert-Inhalte (Videos, Musik, Spiele) an, um das Online-Kundenerlebnis zu verbessern und nur 14 Prozent beobachten Online-Diskussionen ihrer Kunden wie zum Beispiel Blogs. Laut der Studie gehren diese Technologien zu den Social Computing-Elementen, die Millennials an ihrem Arbeitsplatz erwarten, und die eine wichtige Rolle spielen werden, um sie fr ein Unternehmen oder eine Marke zu gewinnen.

Darber hinaus scheint es, als ob deutsche Unternehmen, die jetzt noch keine Social Computing-Netzwerke verwenden, diese auch in Zukunft nicht implementieren wollen. 58 Prozent werden keine Mehrwert-Inhalte anbieten und 35 Prozent planen keine Blog-Beobachtung. Zudem werden 30 Prozent kein Online-Diskussionsforum zur Verfgung stellen und 14 Prozent planen noch nicht einmal, eine Firmenwebsite zur Untersttzung ihrer Kunden zu entwickeln.

“Die Millennials knnen sich gar nicht mehr an die Zeit erinnern, als die Welt noch nicht digital vernetzt war“, erlutert Jo van Onsem, General Manager von Xerox Global Services in Deutschland. „Sie sind es gewohnt, mit anderen in Social Computing-Netzwerken zu kommunizieren, wo Daten ohne Zeitverlust bertragen werden. Sie mchten ihre Meinung ber Produkte kundtun. Das wird einen enormen Einfluss darauf haben, wie Marken und Unternehmen wahrgenommen werden. Und daraus resultiert, wie wir unser Unternehmen fhren. Peer-Netzwerke einfach zu ignorieren wrde bedeuten, die Meinungen eines wachsenden Anteils der arbeitenden Bevlkerung zu ignorieren.“

Die Studie zeigt auch ein vergleichbares Bild in der Frage, wie Unternehmen mit ihren Lieferanten kommunizieren. Obwohl 51 Prozent der Fhrungskrfte angeben, ein Extranet fr die Zusammenarbeit mit Partnern und Lieferanten zu nutzen, planen 21 Prozent nicht, dies in Zukunft einzufhren. Lediglich 20 Prozent geben an, dass sie derzeit ihre Lieferanten aufgrund von Peer-Netzwerk-Empfehlungen auswhlen, whrend 37 Prozent dies auch in Zukunft nicht vorhaben. Um das Fehlen von Verstndnis ber Social Computing zu illustrieren: Lediglich 10 Prozent tragen derzeit Informationen ber Lieferanten in gemeinschaftliche Internetseiten oder Blogs ein, whrend knapp die Hlfte der Befragten (45 Prozent) nicht planen, dies zu tun.

Jo van Onsem warnt: “Die Loyalitt der Millennial-Kunden wird von deren Online-Erlebnis beeinflusst. Das Konzept, auerhalb der eigenen Firmen-Website im Internet zu arbeiten, also auerhalb der kontrollierten Umgebung des Unternehmens – vor allem aus B2B-Sicht – wird sich unter den MitarbeiterInnen rasch ausbreiten. Ungeachtet dessen, ob es vom Unternehmen untersttzt wird oder nicht.“

Die Studie

Die von Forrester Consulting als „Millennials“ bezeichneten ArbeitnehmerInnen werden durch einige Arbeitsplatz-charakteristika identifiziert:
  • Sie sind es gewohnt, Informationen von multiplen Quellen zu erhalten und rasch zu verarbeiten
  • Multitasking – das Bewltigen mehrer Aufgaben gleich-zeitig – ist fr sie einfach
  • Sie haben eine flexible Vorgehensweise
  • Sie bevorzugen gemeinsame Rumlichkeiten
  • Sie verlangen schnellen Zugang zu Informationen und
  • Sie arbeiten gerne in nicht-hierarchischen Gruppen
Die Studie wurde unter 1.250 Fhrungskrften in 16 europischen Lndern durchgefhrt. In Deutschland wurden 100 Manager befragt, die zu 63 Prozent auf C-Level- oder Abteilungsleiterebene arbeiten. Die Unternehmensgren reichen von Kleinstunternehmen bis zu Grounternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern und stammen aus verschiedenen Branchen. Einige Lnder sind strker auf Millennials ausgerichtet als andere: Weniger als zwei Drittel der Befragten in Finnland, Dnemark, Irland und UK denken, dass ihre Unternehmen bereits auf die sich verndernden Anforderungen der Belegschaft eingehen. Dem stehen ber drei Viertel der Organisationen in Spanien, Belgien, Deutschland, Italien, Frankreich, Griechenland, Portugal und der Schweiz gegenber. Portugal fhrt hierbei die Rangliste an, whrend Finnland den letzten Platz belegt.